Corporate und Family Governance


Führen Familienunternehmen anders?
Die Führung eines Familienunternehmens stellt besondere Anforderungen an alle Beteiligten, da die Unternehmensführung mit den Interessen und Einflüssen der Familie in Einklang gebracht werden muss. Das ifm Mannheim untersucht in diesem Kontext die verschiedenen Einflussgrößen, um herauszufinden, mit welchen Strukturen und Prozessen Spannungen reduziert und Konflikte vermieden werden können.
 
Wie kann der Generationswechsel im Familienunternehmen erfolgreich gestaltet werden?
Was muss beim Wandel bzw. bei der Übergabe beachtet werden und was kann dabei schiefgehen? Der Generationswechsel wird von Familienunternehmen oft als kritische Phase empfunden. Dabei hat sich das ifm Mannheim darauf spezialisiert, neben der Nachfolgeperspektive auch die Sicht des Übergebers zu untersuchen. Zielsetzung ist es hierbei, mittels Einzelfallanalysen der komplexen Schnittstellenproblematik gerecht zu werden. Das heißt es sollen weniger pauschale Feststellungen auf Gesamtwirtschaftsniveau getroffen werden als vielmehr präzise Aussagen über Wirkungszusammenhänge.
 
Die Corporate Governance, der Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung von Unternehmen, unterscheidet sich in Familienunternehmen grundlegend von demjenigen in Nicht-Familienunternehmen. Das Forschungsfeld umfasst somit alle Aktivitäten und Konstellationen der Unternehmerfamilie, die direkte Auswirkungen auf das unternehmerische Handeln haben. Dies betrifft sowohl die organisatorischen Maßnahmen als auch die Prozesse und Regelungen in Unternehmen und Familie. Handelnde in diesem Spannungsfeld können Mitglieder der Unternehmerfamilie oder Externe sein, und dies sowohl bei den Eigentümern als auch in der Geschäftsführung.
Da sich die beiden Systeme Familie und Unternehmen gegenseitig beeinflussen und in entsprechenden Untersuchungen beide berücksichtigt werden müssen, wird die Corporate Governance in Familienunternehmen auch immer von der sog. Family Governance berührt. Wie diese ausgestaltet werden sollte und welche Punkte Berücksichtigung finden, wurde im Family Governance Kodex von namhaften Familienunternehmensforschern in Deutschland ausgearbeitet. Besondere Beachtung erfahren dabei das Aufsichtsgremium und die Übertragung der Inhaberschaft, kurz die Regelung der Unternehmensnachfolge. Dies sind auch die beiden Themen, mit denen sich das ifm in besonderem Maße beschäftigt.
In den letzten 20 Jahren hat vor allem die Einrichtung eines Beirats zur Unterstützung der Corporate Governance im Mittelstand und hier besonders in Familienunternehmen an Bedeutung gewonnen. Als freiwilliges Kontroll- und Beratungsgremium wird es von immer mehr Familienunternehmen genutzt, um zusätzliches Expertenwissen zu rekrutieren und auch um eine gewisse Kontrolle der Geschäftsführung sicherzustellen. Aber auch als Instrument zur Lobbyarbeit oder als Schiedsstelle bei Konflikten spielt der Beirat eine wachsende Rolle. 
Innerhalb des Themas Corporate Governance in Familienunternehmen ist zudem die Regelung und Bewältigung der Unternehmensnachfolge schon immer zentraler Untersuchungsgegenstand. Wie kann diese gestaltet werden und welche Themen sind Nachfolgern und Übergebern wichtig? Haben sich die gesellschaftlichen Bedingungen geändert und wie wirkt sich das auf die Regelung des Generationenwechsels aus? Welche Alternativen gibt es zur familieninternen Nachfolge und in welchem Umfang werden diese heute genutzt? 
Das Forschungsfeld erfordert neben theoretischen Überlegungen den direkten Kontakt mit den Menschen im Unternehmen und in der Unternehmerfamilie. Darunter fallen Gespräche und Interviews mit Führungskräften, Shareholdern und einflussreichen Mitgliedern der Unternehmerfamilie. Auf Grundlage eigener Erhebungen und sekundärer Forschungsdaten wurde und wird die Bedeutung der Unternehmensnachfolge quantifiziert. Für den Praxistransfer steht ein umfangreiches Informationsnetzwerk von verschiedenen Wirtschaftsorganisationen und Experten zur Verfügung.

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