Unternehmer Wolfgang Grupp im Gespräch mit Jan Tänzler


Im Interview mit Jan Tänzler verrät Unternehmer Wolfgang Grupp, warum er am Standort Deutschland festhält und was ihn so sicher macht, auch in Zukunft keine Arbeitnehmer betriebsbedingt entlassen zu müssen.

 
Jan Tänzler:
Herr Grupp, Sie bekennen sich aktiv zum Standort Deutschland und produzieren als einziger Ihrer Branche Ihre Produkte komplett in Deutschland – was genau ist der Grund, dass Sie am Standort Deutschland festhalten?
 
Wolfgang Grupp:
Ich kenne keinen besseren Standort! Und ich persönlich kenne auch kein einziges Unternehmen, dem es angeblich besser geht seit es die angeblich so billigen Arbeitskräfte im Ausland nutzt; aber ich kenne viele Unternehmen, denen es wesentlich schlechter geht, beziehungsweise die den Schritt ins Ausland nicht überlebt haben. Es ist Aufgabe der Unternehmer den Standort Deutschland positiv zu nutzen. Das beinhaltet Produkte zu fertigen, die ein hohes Know-How benötigen und nicht zu versuchen den Chinesen bei der Fertigung von Massenprodukten Konkurrenz zu machen.
 
Jan Tänzler:
                Und was macht aus Ihrer Sicht den Standort Deutschland ganz allgemein
                attraktiv?
 
Wolfgang Grupp:
Vorzüge des Standorts Deutschland sind vor allem die gute Infrastruktur sowie das Know-How und die Ausbildung der Arbeitnehmer. Allerdings muss ich als Unternehmer diesen Vorteil auch nutzen, und die entsprechenden Produkte fertigen, das heißt dann auch, das die entsprechende Anforderungen auch an unsere Mitarbeiter gestellt werden: eine hohe Ausbildung und ständige Weiterbildung! Nur dann ist auch der hohe Lohn gerechtfertigt. Wenn ich aber Massenprodukte fertige, dann ist uns der Chinese überlegen.
 
Jan Tänzler:
                Und gibt es denn in Deutschland Rahmenbedingungen, die Sie gerne verbessern würden?
 
Wolfgang Grupp:
Es gibt eine einzige Rahmenbedingung – und das sage ich schon seit 20 Jahren - wir brauchen die Verantwortung zurück und zwar die Verantwortung in den oberen Etagen: Wer große Entscheidungen trifft und dafür auch hoch bezahlt wird, muss auch für diese Entscheidung gerade stehen. Er muss die Verantwortung übernehmen. Es kann doch wohl nicht sein, dass die Leute entscheiden und anschließend dafür kassieren, den Schaden aber den anderen überlassen. Wenn ich nicht hafte und für meine Entscheidungen die Verantwortung trage, dann werde ich größenwahnsinnig, werde sinnlose Entscheidungen treffen, weil ich sage: Kein Problem, je größer die Entscheidung ist, desto höher ist mein Gehalt – was danach erfolgt, wenn es eine Fehlentscheidung ist, das interessiert mich nicht, weil ich mit festen Gehältern abgefunden werde – und DAS ist unser Problem.
 
Jan Tänzler:       
Kommen wir zur letzten Frage: Herr Grupp, Sie wollen auch zukünftig am Standort Deutschland festhalten und versprechen, keine Arbeitnehmer betriebsbedingt zu entlassen. Was macht Sie so sicher, das auch zukünftig einhalten zu können?
 
Wolfgang Grupp:
Ich als Unternehmer bin verantwortlich für die Beschäftigung meiner Mitarbeiter. Wenn ich einen Mitarbeiter einstelle, dannist es meine Aufgabe, ihm Arbeit zu geben und die Aufgabe des Mitarbeiters ist es, diese Arbeit auch entsprechend korrekt auszuführen und seine Leistung zu bringen. Und deshalb muss ich den Wandel der Zeit erkennen und muss wissen: Das was heute ist, kann morgen schon anders sein – bildlich gesprochen muss ich die Richtung des Schiffes „Trigema“ bestimmen, dass es auch in der Zukunft, ich sag mal, positiv das Ziel erreichen kann. Das ist meine Aufgabe und die Aufgabe meiner Mitarbeiter ist es, konstant diese Richtung, die ich angegeben habe, zu verfolgen und dann entsprechend in ihren einzelnen Positionen die Leistung zu erbringen. Damit ich das morgen noch kann muss ich den Wandel der Zeit rechtzeitig erkennen!
 
Jan Tänzler:       
Herzlichen Dank für das Gespräch!

09.12.09

 

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