University Industry Relations in der Ukraine - Neuigkeiten aus dem ifm-Forschungsprojekt "Trilaterale Parnerschaften", das von der Volkswagen Stiftung finanziert wird


Die Ukraine befindet sich in einer schwierigen Lage. Im Osten der Ukraine findet ein Krieg statt, der nicht als solcher bezeichnet werden darf, in dem aber seit Jahren russlandfreundliche Truppen und ukrainisches Militär erbittert gegeneinander kämpfen. Die Annäherung der Ukraine an die EU, die ihren vorläufigen Höhepunkt in der Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens im September 2017 fand, wird von russischer Seite argwöhnisch beäugt. Es fehlt der Ukraine gegenwärtig an einer realistischen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungsstrategie, die Steuereinnahmen sinken und das Land leidet unter der fortgesetzten Migration - vor allem in das benachbarte Ausland. Insbesondere die gut ausgebildeten Bevölkerungsschichten verlassen das Land. Unter diesen Bedingungen ist die Arbeit der Universitäten und staatlichen Wissenschaftseinrichtungen schwierig. Trotzdem wird man immer wieder positiv von den substanzhaltigen und kreativen Ansätzen überrascht, die Wissenschaft und Wirtschaft in der Ukraine wählen, um voranzukommen und einen Beitrag zur Entwicklung der Ukraine zu leisten.

Am 1. September tritt das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine in Kraft. Kiew feiert es als großen Erfolg und hofft auf eine EU-Mitgliedschaft. Damit tritt das Abkommen fast vier Jahre nach dem Beginn der Maidan-Revolution im Spätherbst 2013 in Kraft. Als der damalige Präsident Wiktor Janukowitsch sich im November 2013 weigerte, die bereits fertige Einigung zu unterschreiben, gingen die Menschen in Kiew auf die Straßen. Was danach folgte, war zu dem Zeitpunkt kaum abzusehen: mehr als hundert Tote auf dem Unabhängigkeitsplatz, Janukowitschs Flucht nach Russland, die Annexion der Krim und der blutige Krieg im Donbass.

„Unser Land hat in dieser Zeit sehr viel durchgemacht“, betont der ukrainische Ministerpräsident Wolodymyr Grojsman: „Daher hat das Inkrafttreten des Assoziierungsabkommens eine besondere Symbolkraft. Zusammen mit der Aufhebung der Visapflicht haben wir in diesem Jahr gleich zwei große Erfolge gefeiert.“

Weg zur Mitgliedschaft in EU und NATO?

Präsident Petro Poroschenko wurde wie gewohnt noch deutlicher: „Das Assoziierungsabkommen und die Visafreiheit sind zwei Argumente, die unseren endgültigen Bruch mit dem russischen Reich des Bösen festigen“, sagte er während seiner Rede zum Unabhängigkeitstag am 24. August. „Ab nun haben wir nur einen Weg: Die breite transatlantische Autobahn zur Mitgliedschaft in der EU sowie in der NATO.“

Die symbolische politische Bedeutung des Abkommens ist jedoch nicht so groß wie seine wirtschaftliche. Denn das endgültige Inkrafttreten festigt vor allem die seit anderthalb Jahren existierende Freihandelszone zwischen Brüssel und Kiew. Dadurch hat die EU bereits Russland als wichtigsten Arbeitsmarkt für ukrainische Auswanderer ersetzt. Das geschah allerdings vor allem deswegen, weil Moskau sein eigenes Assoziierungsabkommen mit der Ukraine aufkündigte.

Dennoch sollte man nicht davon ausgehen, dass Russland mit einem Mal für die Ukraine unbedeutend würde. Viele Menschen, die in der Ukraine leben, haben immer noch Sympathie für den großen Nachbarn im Osten. Vermutlich ist Russland auch heute noch der größte Direktinvestor in der Ukraine. Weiterhin macht sich Präsident Poroschenko mit seiner Politik nicht nur Freunde. So sollen Minderheiten (auch die russische) in der Ukraine zukünftig weniger Möglichkeit haben, ihre eigene Sprache und Kultur zu erlernen und zu pflegen.Und er selbst ist und bleibt ein Oligarch, der zu den reichsten Bürgern der Ukraine gehört.

Die Universitäten der Ukraine haben in den vergangenen Jahren ihre Arbeitsweise stark angepasst. Sie haben sich internationalisiert, profitieren von den EU-Erasmus-Studierenden-Austauschprogrammen, haben ihre Ausbildung auf Bachelor- und Masterprogramme umgestellt und fördern die englische Sprache im Unterricht. Die noch aus der sowjetischen Zeit stammenden Akademien der Wissenschaften werden schrittweise aufgelöst und in die Universitäten integriert. Auf diese Weise will man die Forschung wieder verstärkt zurück in die Universitäten verlagern und die Forschungsgelder effizienter einsetzen. Auch die Drittmittelforschung im Rahmen von Universitäts-Industriepartnerschaften wird als ein legitimer Weg angesehen, um den Forschungsoutput zu erhöhen und die Engpässe in der Forschungsfinanzierung zu beseitigen.

Dies alles erfordert eine große Veränderungsbereitschaft der verschiedenen Akteure im akademischen System, insbesondere auf Seiten der Wissenschaftler, doch es ist unser Eindruck im Forschungsprojekt, dass diese gegeben ist und von europäischer Seite weiter unterstützt werden sollte.

Prof. Dr. Michael Woywode

 


08.10.17

 

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