ifm bringt beim Internationalen Workshop zur Sharing Economy an der Universität Mannheim verschiedene Perspektiven zusammen


Über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 15 Ländern haben an dem internationalen Workshop zur Sharing Economy (IWSE) vom 28. bis zum 29. Juni 2018 an der Universität Mannheim teilgenommen. In mehr als 70 Vorträgen wurden Forschungsarbeiten aus unterschiedlichen Disziplinen rund um den Phänomenbereich Sharing Economy vorgestellt und diskutiert. Der Workshop fand zum fünften Mal statt, erstmals in Deutschland. Gefördert wurde der zweitägige Workshop vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Der Rektor der Universität Mannheim Prof. Dr. von Thadden betonte in seinem Grußwort die Vielfalt der Disziplinen, die beim fünften IWSE vertreten waren. Er machte deutlich, dass diese interdisziplinäre Sicht notwendig ist, um die Sharing Economy zu erforschen und auch, wie gut dieser Forschungsansatz an die Universität Mannheim passt.

In dem ersten Vortrag der Konferenz sprach Dr. Stephan Leixnering von der Wirtschaftsuniversität Wien über einen besonderen Anwendungsfall in der Sharing Economy. Er stellte die Organisation „Train of Hope“ vor, die im Rahmen der Flüchtlingskrise 2015 in Wien entstanden ist und maßgeblich zur Bewältigung der Krise beigetragen hat. Er veranschaulichte, dass durch das „Teilens einer Sorge“ („Sharing a Concern“) und das „Teilens von Hoffnung“ („Sharing Hope“), die Sharing Economy auch eine moralische Dimension hat. Damit bündeln Sharing Organisationen sowohl Merkmale von digitalen Plattformorganisationen als auch von sozialen Bewegungen, was diese organisationale Form besonders macht. 

An beiden Tagen verteilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils am Vor- und Nachmittag auf bis zu fünf parallele Sessions mit unterschiedlichen disziplinären Schwerpunkten. Organisationsforscher stellten Papiere zu unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Organisationsformen in der Sharing Economy vor. Dazu gehören Arbeiten zu Merkmalen und Potenzialen genossenschaftlicher Modelle. Sozialpsychologen stellten ihre Projekte zu Motiven und dem Verhalten von Nutzerinnen und Nutzern von Sharing Modellen vor. (Wirtschafts-)Informatiker sprachen über ihre Forschung dazu, wie bei Sharing Plattformen Vertrauen und Reputation entstehen und welche Diffusions- und Wirkungspotenziale neue Technologien wie die Blockchain-Technologie haben. In ihren Modellen zeigten Ökonomen Auswirkungen der Sharing Economy auf etablierte Marktakteure und Preise. Durch die disziplinäre Ausrichtung einzelner Sessions, wurde sichergestellt, dass eine fundierte Fachdiskussion der wissenschaftlichen Arbeiten geführt wird. Indem sich disziplinäre Schwerpunkte abwechselten und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen den Sessions wechseln konnten, kam ein intensiver interdisziplinärer Austausch zustande.

Dr. Achim Oberg, Dr. Dominika Wruk (beide Universität Mannheim) und Prof. Dr. Indre Maurer (Universität Göttingen) stellten Ergebnisse aus dem BMBF-geförderten Forschungsprojekt vor. Sie zeigten, wie Sharing Organisationen es schaffen, eine Community (Gemeinschaft) an NutzerInnen, MitarbeiterInnen und häufig auch Freiwilligen aufzubauen und erfolgreich zu koordinieren. Sie zeigten weiterhin, dass sich die 20 untersuchten Sharing Modelle – z.B. Carsharing, Gemeinschaftsgärten, Coworking Spaces – in Deutschland insbesondere seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 verbreitet haben. Dabei weisen die Modelle unterschiedliche Muster bei der geographischen Verbreitung auf: Während zum Beispiel Coworking Spaces insbesondere in Großstädten mit einem hohen Anteil an Selbständigen und einem hohen Anteil von Beschäftigten in hochqualifizierten Dienstleistungen zu finden sind, verbreiten sich Gemeinschaftsgärten auch in Vororten, in kleineren Städten und ländlichen Gebieten. Die Wirkung der Sharing Economy in Deutschland wird aktuell mithilfe des i-share Wirkungsmodells und mit Daten aus aktuellen Umfragen unter Sharing Organisationen in Deutschland untersucht. Anhand der Angaben der mehr als 500 teilnehmenden Sharing Organisationen werden ökologische, ökonomische und soziale Wirkungen ermittelt.

Dr. Yair Friedman (Tel Aviv University und WEconomize) und Dr. Zafrir Bloch (The Tel Aviv - Jaffa Academic College und WEconomize) stellten am zweiten Konferenztag zwei aktuelle Forschungsarbeiten vor. In ihrer Forschung zeigten sie am Beispiel von Israel, unter welchen Bedingungen Airbnb positive Auswirkungen auf die Tourismusbranche haben kann. Da in Israel kaum Hotels in der unteren und mittleren Preiskategorie existieren, erweist sich Airbnb als komplementär zu bestehenden Angeboten und stärkt damit auch andere Tourismusbereiche. In ihrer zweiten Studie haben sie soziokulturelle Merkmale der Nutzerinnen und Nutzern von Sharing Modellen und die geographische Verbreitung der Angebote in Israel erforscht. Sie zeigen, dass die Sharing Economy in Israel in ländlichen Gegenden und unter bestimmten Altersgruppen und Personen ohne höhere Ausbildung kaum verbreitet sind. Sagie Schein stellte dann Maßnahmen der JDC Israel vor (z.B. Weiterbildungsangebote), die, ausgehend von den Forschungsergebnissen, umgesetzt werden, um diese Situation zu ändern.

Der Workshop endete mit einer Paneldiskussion des aktuellen Standes der Forshcung zur Sharing Economy. Prof. Dr. Koen Frenken (Universität Utrecht), Prof. Dr. Michael Woywode (Universität Mannheim) und Dr. Yair Friedman diskutierten drei Fragen: Worüber wissen wir bereits genug und zu welchen Themen haben wir bereits gesichertes Wissen? In welchen Bereichen brauchen wir weitere Forschung, um bestehendes Wissen zu verfeinern? In Bezug auf welche Fragen sind wir komplett “blank” / Worüber wissen wir praktisch nichts? Ein Ergebnis der Diskussion war, dass wir Verfeinerungen der theoretischen Ansätze und mehr quantitative Forschung brauchen, um unser Verständnis von der Sharing Economy zu verbessern.

Weitere Informationen zur Veranstaltung und das Programm finden Sie hier:

https://www.i-share-economy.org/5th-iwse

Weitere Fotos finden Sie in der englischen Version des Beitrags:

https://www.i-share-economy.org/kos/WNetz?daoref=41244

 

Vielen Dank!

Wir freuen uns sehr über die rege Teilnahme an dem internationalen Workshop. Uns hat es viel Spaß gemacht, die vielfältigen Vorträge zu hören und gemeinsam mit euch zu diskutieren. Wir möchten uns deshalb ganz herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre Beiträge bedanken! Vielen Dank auch für das positive Feedback, dass von vielen von euch eingegangen ist. Wir sind wirklich froh, dass ihr euch wohl gefühlt habt und so viel mitnehmen konntet an neuen Eindrücken, Erkenntnissen und Kontakten. Wir freuen uns darauf, euch im nächsten Jahr beim sechsten IWSE in Utrecht wieder zu sehen!


10.07.18


Initiativen und Portale des ifm:
Dr. Achim Oberg
Dr. Dominika Wruk