Heterogenität und Ausbildung in Migrantenbetrieben der Metropolregion Rhein-Neckar: Chancen und Herausforderungen der Fachkräfteentwicklung in einem durch Vielfalt geprägten Umfeld


Eine dreijährige Längsschnittstudie und praxisnahe Begleitforschung in der Migrantenökonomie. Gefördert durch BIBB und BMBF.


Die demographische Entwicklung und der Fachkräftemangel auch in kleinen und mittleren Unternehmen machen es erforderlich, der geringer werdenden Zahl an AusbildungsplatzbewerberInnen durch neue Strategien zur vollständigen Nutzung aller Potenziale zu begegnen. Dies führt gleichzeitig zu einer zunehmenden Heterogenität in der sozialen Zusammensetzung von Auszubildenden und verlangt von den Unternehmen, von den Ausbildenden und bestimmten Formen des Ausbildungsmanagements einen offenen Umgang mit verschiedenen biographischen Merkmalen und dem individuellen Leistungsvermögen von Jugendlichen.
Das Forschungsprojekt soll klären, wie „heterogen“ die Zusammensetzung von Auszubildenden und Beschäftigten in Migrantenbetrieben ist, welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind und ob bzw. in welcher Weise „Diversität“ und ein durch Vielfalt geprägtes Umfeld entscheidende Ressourcen bei der Fachkräfte- und Unternehmensentwicklung insgesamt sind.
 
Vielfalt als Ressource in Migrantenbetrieben. Die sozialen und wirtschaftlichen Effekte von Diversität bei der Fachkräfteentwicklung
Bisher ist kaum bekannt, wie „heterogen“ die Ausbildungs- und Personalstrukturen in Migrantenbetrieben sind, da der Umfang co-ethnischer (und damit homogener) Beschäftigung je nach Branche und ethnischer Zugehörigkeit schwankt. Vieles weist jedoch darauf hin, dass sich die Heterogenität unter den Auszubildenden und Fachkräften in Migrantenbetrieben nicht nur aus der ethnischen Herkunft, sondern vor allem auch aus den Unterschieden in der Schulbildung, der sozialen Anerkennung, der Sprache und der Migrationserfahrung sowie weiteren Merkmalen ableiten lässt.  Vielfalt, insbesondere ethnische Diversität, ist jedoch keine Ressource an sich. Ihre soziale und wirtschaftliche Wirkung ist stark von den Anforderungen und der Zusammensetzung des Umfelds abhängig sowie davon, wie kontrolliert und bewusst seitens der Unternehmensführung damit umgegangen wird.

Projektziele im Einzelnen
Im Fokus der regionalen Begleitforschung stehen die Fragen nach der Bedeutung und Wirkung von Heterogenität in Migrantenbetrieben und in welcher Weise sie als Ressource bei der Fachkräfte- und Unternehmensentwicklung genutzt werden kann.  Im Einzelnen soll (u.a.) folgende Fragen geklärt werden:

  • Wie heterogen sind Migrantenbetriebe auf der leistungs- und organisationsbezogenen Ebene sowie auf der Ebene der involvierten Individuen?
  • Welchen Qualifizierungsbedarf haben Migrantenbetriebe und welche Bedeutung hat die betriebliche Ausbildung bei der Deckung des Fachkräftebedarfs??
  • Was ist der Nutzen und was sind die Herausforderungen heterogener Ausbildungs- und Personalstrukturen?
  •  Wird Heterogenität als strategisches Moment erkannt und tatsächlich genutzt? Gibt es unterschiedliche Strategien der Nutzung von Vielfalt?

In Kooperation mit dem Interkulturellen Bildungszentrum Mannheim (ikubiz) wird das Projekt im Rahmen eines praxisnahen Modellversuchs durchgeführt. In einer 3 Jahre dauernden Begleitforschung wird auf einen Pool von rund 250 ausbildenden Migrantenunternehmen (mit derzeit 334 Auszubildenden) in der Metropolregion Rhein-Neckar zurückgegriffen. Die teilnehmenden Betriebe werden in sämtlichen ausbildungsrelevanten Entscheidungsprozessen durch Beratung, praktische Hilfestellungen und adäquate Expertisen begleitet. Hierbei sollen strategische Elemente der Unternehmensentwicklung identifiziert, weiterentwickelt und auf ihre Wirksamkeit erprobt werden.
Eine umfangreichere Projektbeschreibung finden Sie unten zum download.

Ausgewählte Ergebnisse
Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass in Betrieben von Migrant(inn)en der Bedarf an qualifizierten Beschäftigten zunehmend auch durch eigene Ausbildungstätigkeiten gedeckt wird. Die insgesamt noch geringere Ausbildungsbeteiligung von Migrant(inn)en ist dabei weniger auf kulturelle oder ethnische Erklärungsfaktoren zurückzuführen, sondern vor allem auf betriebliche Charakteristika der von ihnen geführten Unternehmen. Es zeigt sich außerdem, dass Migrantenunternehmen aufgrund (und trotz) ihrer schwierigen Ausgangsbedingungen im Vergleich zu deutschen Betriebsinhaber/innen häufiger „benachteiligte“ Jugendliche ausbilden. Sie bilden zu einem höheren Anteil bildungsschwache Jugendliche aus und zu überproportionalen Teilen auch solche mit Migrationshintergrund.

Projektleitung: Dr. René Leicht
Projektbearbeitung: Lena Werner
Projektförderung: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Laufzeit: März 2011 bis Februar 2014

Veröffentlichungen

Leicht, René / Werner, Lena (2012): Ausbildung und Fachkräftesicherung in Migrantenunternehmen, in: Meyer, J.-A.
(Hrsg.), Personalmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen - Jahrbuch der KMU-Forschung und -Praxis 2012, Lohmar, 317-340

Werner, Lena (2012): Heterogenität im ikubiz Ausbildungsverbund. Eine Bestandsaufnahme. Working Paper 1/2012, ifm Universität Mannheim, www.institut-fuer-mittelstandsforschung.de/migrantenunternehmen-heterogenitaet

Leicht, René / Werner, Lena (2013): Migrantenunternehmer in Deutschland am Anfang des 21. Jahrhunderts: Marktstrategien im Kontext ethnischer und individueller Ressourcen, Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 58 (2), 214-233

Leicht, René / Werner, Lena (2014): Heterogenität und Ausbildung in Migrantenunternehmen, in: Severing, E.; Weiß, R. (Hrsg.), Individuelle Förderung in heterogenen Gruppen in der Berufsausbildung. Befunde – Konzepte – Forschungsbedarf, Bielefeld, 81-103


News

Heterogenität und Ausbildung in Migrantenunternehmen (14.07.14)
Neue Publikation im Tagungsband des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz (AG BFN) mehr...
Ausbildung in Migrantenunternehmen: Der diskrete Wandel der betrieblichen Lernorte und des Ausbildungspersonals (29.07.13)
René Leicht & Lena Werner (2013): Ausbildung in Migrantenunternehmen: Der diskrete Wandel der betrieblichen Lernorte und des Ausbildungspersonals. In: Rangosch-Schneck, Elisabeth (Hrsg.): Beruf-Bildung-Migration. Beiträge zur Qualifizierung des beruflichen Bildungspersonals aus der Perspektive Migration. Band 2 der Reihe migration + lehrerbildung. Schneider Verlag Hohengehren. S. 159-174.
Lernen in Migrantenunternehmen (29.07.13)
René Leicht und Lena Werner veröffentlichen einen Beitrag in der Zeitschrift "Die berufsbildende Schule". mehr...

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