Natur und Eigenschaften von Familienunternehmen – Herausforderungen einer theoretisch sachgerechten und problemorientierten Definition


Studien zu Familienunternehmen dienen häufig nicht nur akademischen Zwecken, sondern haben auch Einfluss auf die Wirtschaftspolitik und die Führung der Familienunternehmen selbst. Insbesondere wenn Familienunternehmensvereinigungen diese Studien beauftragen, zielen Studien zu Familienunternehmen mehrheitlich darauf ab, die Interessen der Familien-unternehmen zu stärken. Es wird gemeinhin vermutet, dass Familienunternehmen anders sind als die übrigen Unternehmen, dass sie besonders schützenswert und wertvoll sind. Ob sich die „DNA“ von Familienunternehmen aber tatsächlich von der „DNA“ anderer Unternehmen unterscheidet ist jedoch bisher weitgehend unklar.

Deshalb ist es von wissenschaftlicher Seite dringend geboten, sich  mit den Konsequenzen jeweils unterschiedlicher Abgrenzungen von Familienunternehmen für die Ergebnisse der entsprechenden Studien zu befassen. Obwohl es bereits eine große Anzahl entsprechender Publikationen zur Charakterisierung von Familienunternehmen gibt, ist die Frage, was denn genau ein Familienunternehmen ausmacht und welche Eigenschaften es besitzt, immer noch nicht zufriedenstellend beant-wortet. Die thematisch zuständigen Forschungseinrichtungen zu Familienunternehmen konn-ten sich letztlich noch nicht auf eine allgemein anerkannte Definition einigen. Es existieren in der wissenschaftlichen Welt zwar eine ganze Reihe von Definitionen, bereits 1999 legten Chua et al. eine umfangreiche Liste bereits veröffentlichter Definitionsversuche vor, die aber zumeist den Restriktionen einer Operationalisierung für die empirische Untersuchung unter-worfen sind. Jede dieser empirisch eingesetzten Definitionen hat ihren Fokus, allein oder in Kombination, auf die Mitwirkung einer Familie im Unternehmen, in Bezug auf die Eigentums-verhältnisse bzw. den Kapitalanteil, die Governance, die Mitwirkung im Management und die generationenübergreifende Unternehmensnachfolge. Auch gibt es eine ansehnliche Zahl unterschiedlicher Theorieansätze, um die besonderen Verhältnisse in Familienunternehmen zu beschreiben. Aber all dies hat bisher nicht zu einer eindeutigen Lösung der Frage nach der Natur von Familienunternehmen geführt.
Die Arbeit des Teams Familienunternehmen wird in diesem Projekt drei Abschnitte umfassen. Zum ersten werden die bisherigen Bestimmungsansätze in der Literatur, die theoretisch auf die Besonderheiten eines Familienunternehmens abzielen, recherchiert und aufgearbeitet. Insbesondere die Frage nach der Vision, die mit einem Familienunternehmen einhergehen soll, wird dabei eine besondere Berücksichtigung erfahren. Das bedeutet, dass sich die hier skizzierte Aufarbeitung nicht nur auf die vielen bekannten Definitionen von Familienunternehmen beziehen wird, so wie sie in empirischen Studien angewendet werden. Als Ziel dieses Abschnitts soll vor allem eine theoretisch fundierte Position des ifm Mannheim zur Existenz eines Kerns von Familienunternehmen und zu dessen Abgrenzung erarbeitet werden. Diesem Vorhaben haben sich bisher nur sehr wenige Veröffentlichungen gewidmet und wenn sie es taten, sind sie auch hier nicht zu einem einheitlichen Standpunkt gelangt, so dass unser Vorhaben einen wichtigen Beitrag bilden wird, diese Erörterung in der Wissenschaft voranzutreiben.

In einem zweiten Schritt soll eine Zuordnung der operationalisierten Definitionen von Familienunternehmen zu den theoretischen Bestimmungsansätzen erfolgen. Die angestrebte Klassifizierung der operationalisierten Definitionen dient dann wiederum als Ausgangspunkt für die Analyse der Auswirkungen auf die Ergebnisse empirischer Untersuchungen. Hierzu werden typische Definitionen für die verschiedenen Typen von Unternehmen bestimmt und diese dann auf einen geeigneten Datensatz angewendet. Dieser Datensatz soll es erlauben, einzelne Unternehmen je nach Definition als Familienunternehmen einzuordnen oder nicht. In der wissenschaftlichen Literatur ist ein solcher Schritt von der theoretischen Bestimmung hin zu einer empirischen Überprüfung bisher nicht in Angriff genommen worden. Hier bietet sich erstmals die Möglichkeit, die theoretischen Überlegungen und Folgerungen in Bezug auf das eigentliche Wesen und den Kern von Familienunternehmen auch empirisch zu überprüfen und die Schwächen und Stärken der jeweiligen theoretischen Konstrukte zu identifizieren.

Im dritten Schritt werden dann verschiedene Untersuchungen und Verfahren, die zum Teil bereits mit einer der operationalisierten Definitionen durchgeführt wurden, mit den einzelnen herausgearbeiteten typischen Definitionen (neu) gerechnet und analysiert. Dieses Vorgehen ist bisher immer nur in der wissenschaftlich veröffentlichten Diskussion vorgeschlagen worden, aber bisher nicht in einer Untersuchung umgesetzt worden. Gerade die Resultate solcher Vergleichsrechnungen für wissenschaftliche empirische Analysen können tiefe Einblicke in die Auswirkungen unterschiedlicher Konzepte in Bezug auf Familienunternehmen geben. So werden die Ergebnisse empirischer Fragestellungen für die einzelnen operationalisierten Definitionen miteinander verglichen und die Abweichungen bewertet. Aus diesen Bewertungen werden Rückschlüsse auf die zugrunde liegenden theoretischen Abgrenzungen gezogen, so dass schließlich die Bedeutung der einzelnen theoretischen Konzepte für die jeweiligen Untersuchungen deutlich wird.


News

Neues Projekt zur Definition von Familienunternehmen am ifm Mannheim gestartet (02.07.12)
Der Förderkreis des ifm Mannheim unterstützt ein neues Projekt zur Familienunternehmensforschung am ifm: "Die Natur und Eigenschaften von Familienunternehmen – Herausforderungen einer theoretisch sachgerechten und problemorientierten Definition."
mehr...
 

Öffentliche Veranstaltungen

Jun
25
Do
Okt
12
Mo
i-share: Forschungsprojekt zur Wirkung der Sharing Economy in Deutschland
Universität Mannheim
10:00-17:00
weitere Veranstaltungen

Usability in Germany Tagung 2020

UX and beyond: Digitalisierung menschzentriert gestalten
Am 25. Juni 2020 findet die UIG-Tagung an der Universität Mannheim statt.

Sechstes i-share Symposium

Am 12. Oktober findet das sechste i-share Symposium an der Universität Mannheim statt.

Newsletter

Hier für den Newsletter eintragen: Registrieren!

Merken & Weiterleiten

Initiativen und Portale des ifm: