Gründungspotenziale von Menschen mit ausländischen Wurzeln - Entwicklungen, Erfolgsfaktoren, Hemmnisse


Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Seit längerem werden die Gründungsaktivitäten in Deutschland verstärkt durch Menschen mit ausländischen Wurzeln geformt. Ursächlich hierfür sind nicht nur gestiegene Zuwanderungszahlen, sondern auch gewandelte Ressourcen- und Nachfragestrukturen. Jedoch mehren sich die Anzeichen, dass diese Dynamik zum Erliegen kommt. Ein wichtiger Faktor ist die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt insgesamt, die zum einen weniger Notgründungen und zum anderen auch attraktive Jobs produziert. Außerdem sind Zugewanderte mit einer Reihe sozialer und institutioneller Hürden konfrontiert, die den Zugang in die berufliche Selbständigkeit erschweren. Vor diesem Hintergrund untersuchte die vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie die Entwicklung, Strukturen und Determinanten von Migrantengründungen in Deutschland und ging dabei der Frage nach, wie das Gründungspotenzial von Menschen mit ausländischen Wurzeln erhöht werden kann. In Teilen der Studie wurde das ifm-Team durch eine Kooperation mit dem Institut für sozialpädagogische Foschung in Mainz (ism) sowie durch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unterstützt.

Ausgewählte Ergebnisse:

Einwanderung erhöht Zahl der Gründungen

Migranten gründen vermehrt innovativ und in wissensintensiven Branchen.
Aber ihr unternehmerisches Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft

Bei einer insgesamt rückläufigen Zahl neuer Unternehmen wird das verbleibende Gründungsgeschehen in Deutschland weit stärker durch Zugewanderte bestimmt: Dies ist nicht nur, aber auch ein Effekt der Zuwanderung und letztlich vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich (nimmt man die Geflüchteten aus) die Zahl der Migranten generell am Arbeitsmarkt erhöht.

Als zentrale Triebkraft neuer Unternehmen erweist sich die wachsende Zahl an höher gebildeten Migrantinnen und Migranten, die das Gründungsgeschehen beleben und zudem das wirtschaftliche Profil verändern. D.h. Döner, Pizza und Gemüse waren gestern, weil die Zuwanderer heutzutage weniger aus den ehemaligen Anwerbeländern, sondern aus anderen Regionen dieser Welt kommen. Nunmehr spielen (neben bauwirtschaftlichen Aktivitäten) insbesondere die wissensbasierten Dienstleistungen eine größere Rolle. Zudem dringen vermehrt Migranten mit innovativen Gründungen auf den Markt. Vorteile genießen Zugewanderte mit Gründungsambitionen auch durch ihre internationalen Geschäftsbeziehungen.

Mehr und mehr Migrantinnen und Migranten gründen schon direkt nach der Einwanderung ein Unternehmen oder kommen bereits als Selbständige nach Deutschland. Rund ein Viertel aller migrantischen Neugründungen erfolgt sozusagen „ad hoc“. Gleichzeitig gründen immer weniger Migranten aus der Not bzw. aus der Arbeitslosigkeit.

Darüber hinaus deckt die Studie aber auch auf viele Schwächen und v.a. ungenutzte Gründungspotenziale auf: Der Gründungsboom unter Zugewanderten geht zurück. Zwar steigt die Zahl Selbständiger mit ausländischen Wurzeln noch immer in absoluten Werten, aber deren Selbständigenquote sinkt. Denn der florierende Arbeitsmarkt in Deutschland lockt nicht nur viele Deutsche, sondern auch mehr Migrantinnen und Migranten in eine Arbeitnehmerposition; darunter eine große Zahl an Hochqualifizierten. Mittelfristig dürfte ein Fortgang dieser Entwicklung das Gründungspotenzial von Migrantinnen und Migranten in quantitativer und qualitativer Sicht schwächen, da höherwertige Gründungen auf die Zufuhr von neuem Wissen angewiesen sind. Hinzu kommt, dass nicht nur die Zahl der Markteintritte sinkt, sondern auch viele Selbständige wieder aus dem Markt ausscheiden: Der insgesamt noch wachsende Bestand an selbständigen Migranten wird durch die geringe Nachhaltigkeit vieler Gründungen auf lange Sicht geschwächt. Zugewanderte verfügen in der Regel über weniger Ressourcen und müssen höhere Hürden überwinden. Dies gilt auch für die Chancen einer Unternehmensübernahme, die Migranten weit seltener geboten wird. Hier müssten mehr ausscheidende Deutsche zu einer Übergabe ihres Unternehmens an Migranten motiviert werden.

Insgesamt zeigt die Studie eine Vielfalt an Handlungsoptionen auf, wo und in welcher Weise die Gründungspotenziale von Migrantinnen und Migranten stärker genutzt und die institutionellen Hürden verringert werden könnten.


News

Einwanderung erhöht Zahl der Unternehmensgründungen. Aber Gründungsdynamik von Migranten lässt nach (12.12.17)
Seit längerem werden die Gründungsaktivitäten in Deutschland verstärkt durch Menschen mit ausländischen Wurzeln geformt. Jedoch mehren sich die Anzeichen, dass diese Dynamik zum Erliegen kommt. Eine vom Bundeswirtschaftsministerium an das ifm in Auftrag gegebene Studie untersuchte daher die Entwicklung, Strukturen und Determinanten von Migrantengründungen in Deutschland und ging dabei zudem der Frage nach, wie das Gründungspotenzial von Menschen mit ausländischen Wurzeln erhöht werden kann. mehr...
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