Selbständigkeit, Geschlecht und Familie: Rollenmuster und Aufbruch in die Moderne


Frauen gründen und führen weit seltener als Männer ein eigenes Unternehmen – und wenn sie es tun, dann häufig in anderer Form. Obwohl in Deutschland sowie in vielen anderen europäischen Ländern die Zahl der Gründerinnen wächst, sind Frauen noch weit davon entfernt, die Geschlechterunterschiede in den Gründungs- und unternehmerischen Aktivitäten zu verringern. Mehr noch: Unternehmertum wird in der Öffentlichkeit noch immer stark mit männlichen Attributen verknüpft. Noch ist wenig darüber bekannt, welche Faktoren die Gründungs- und unternehmerischen Aktivitäten von Frauen beeinträchtigen. Es ist davon auszugehen, dass die Entscheidung zum Schritt in die Selbständigkeit von anderen Motiven, Gelegenheiten, Ressourcen und Restriktionen als bei Männern bestimmt wird. Die Forschung am ifm geht deshalb unter anderem der Frage nach, inwieweit die zentralen Charakteristika der geschlechtsspezifischen Rollen- und Arbeitsteilung, so z.B. die Wahl bestimmter Berufe oder die Wahrnehmung von Familienverantwortung, maßgeblich Einfluss auf die Entfaltung unternehmerischer Aktivitäten nehmen. Die gesellschaftliche Modernisierung und der Bruch mit alten Rollenmustern dürfte dazu beitragen, das unternehmerische Engagement von Frauen zu erhöhen.
 

Frauen sind im Vergleich zu Männern in den Gestaltungsmöglichkeiten ihrer beruflichen Entwicklung noch immer erheblich beeinträchtigt. Geschlechtsspezifische Disparitäten am Arbeitsmarkt und deutliche Muster beruflicher Segregation zeigen sich nicht nur innerhalb der abhängigen, sondern auch im Umfang und Ausübung einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Die Möglichkeiten stärkerer unternehmerischer Orientierung bei Frauen hängen von den durch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geformten Chancenstrukturen, insbesondere von den Erwerbsbedingungen, dem Bildungs- und Berufsverlauf und letztlich von der Verfügbarkeit informeller und materieller Ressourcen ab.

Das Interesse an den Entwicklungs- und Leistungspotentialen von Gründerinnen und beruflich selbständigen Frauen resultiert aus unterschiedlichen Zusammenhängen. So werden Gründungen und berufliche Selbständigkeit oftmals als eine erfolgversprechende Strategie von und für Frauen angesehen, um den geschlechtsspezifischen Ungleichheiten des Arbeitsmarktes zu begegnen oder auch um die Handlungsspielräume zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu vergrößern. Neuerlich jedoch erhalten infolge des (allerdings nur langsam) wachsenden Anteils selbständiger Frauen auch wirtschaftspolitische Gesichtspunkte mehr Aufmerksamkeit, nachdem das Thema „Frauen als Unternehmerinnen“ lange Zeit eher ausgeblendet war. Aus der immer noch vergleichsweise niedrigen Quote an selbständigen Frauen ergibt sich die Frage, inwieweit durch eine bessere Ausschöpfung des Gründerinnenpotentials entscheidende Impulse für Innovation und Beschäftigung insgesamt geschaffen werden können.

Um die Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen und ihren Betrieben zu verbessern bedarf es an fundiertem Wissen über die geschlechtsspezifischen Potentiale, Strukturen und Verlaufslinien beruflicher Selbständigkeit und vor allem muss geklärt werden, welche Determinanten die Gründungsbereitschaft von Frauen und letztlich den Schritt in die Selbständigkeit bestimmen und welche Faktoren und Rahmenbedingungen die Gründungsprozesse unterstützen oder behindern.

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Publikationen

Handbuch und Zusammenfassung des Abschlussberichts aus dem Projekt „MIGRANTINNEN gründen“ sind erschienen (12.10.17)
Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem zweijährigen Modellprojekt „MIGRANTINNEN gründen“, welches von jumpp Frauenbetriebe e.V. (Frankfurt) durchgeführt und vom Institut für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim wissenschaftlich begleitet und evaluiert wurde, sind nun in Form eines Handbuchs und einer Zusammenfassung des Abschlussberichts als Download verfügbar. mehr...
Publikation von ifm-Mitarbeiter Robert Strohmeyer zu Geschlechterunterschieden im Innovationsverhalten von Unternehmen ist im Journal of Business Venturing erschienen (07.08.17)
Der Artikel "Jacks-(and Jills)-of-all-trades: on whether, how and why gender influences firm innovativeness" von Robert Strohmeyer, Vartuhi Tonoyan und Jennifer Jennings wurde zur Publikation im Journal of Business Venturing akzeptiert und ist online verfügbar unter www.sciencedirect.com/science/article... mehr...
ifm Mannheim research fellows receive Best Paper Award from the 2015 Diana International Research Conference in Babson College, USA, June 8-9 (17.07.15)
The study on “Cross-Country Gender Gaps in Perceived Start-up Ease: Second-Order Effects of Labor Market Segregation” authored by Vartuhi Tonoyan, Robert Strohmeyer and Jennifer E. Jennings received the Best Paper Award at the 2015 Diana International Research Conference on “Women’s Entrepreneurship and Ecosystems” in Babson College, Wellesley, USA. Using a large dataset of over 15,000 employees working within 22 European countries, this multi-level study reveals how sex-based segregation in traditional labor markets exerts ‘second-order’ effects upon entrepreneurship mehr...
Karriere zu zweit - Haushalt allein? Selbständige Frauen in Beruf und Partnerschaft (20.08.14)
Buchbeitrag von René Leicht, Beate Cesinger, Stefanie König und Marc Langhauser: Die Vielfalt der Selbständigkeit. Sozialwissenschaftliche Beiträge zu einer Erwerbsform im Wandel mehr...
Award: ifm Mannheim’s article receives the Best Paper Award from the 2014 Diana International Research Conference in Stockholm, Sweden, June 15-17 (01.07.14)
Robert Strohmeyer, Research Fellow at the ifm Mannheim, and his co-authors - Assistant Professor Vartuhi Tonoyan from the Stevens Institute of Technology in the US, and Professor Jennifer E. Jennings from the University of Alberta in Canada - have received the Best Paper Award at the Diana International Research Conference for their study “Jacks and Jills of All Trades: Implications for Firm Innovativeness”. mehr...
Income Differentials on Regional Labour Markets in Southwest Germany (06.10.09)
Die Veröffentlichung von Alice Guyot, Stefan Berwing und Maria Lauxen-Ulbrich untersucht die Einkommensdifferenzen von Frauen und Männern in unterschiedlichen Regionen in Baden-Württemberg. mehr...
Selbständige Frauen im "Kreativsektor": Arbeitsformen, Ressourcen und Entwicklungspotenziale (26.01.07)
René Leicht (2007):
Selbständige Frauen im "Kreativsektor": Arbeitsformen, Ressourcen und Entwicklungspotenziale
Beitrag zur Tagung "Creative Power - Gründungen im Kreativbereich"
bundesweite gründerinnenagentur und BMBF, Berlin 26. Januar 2007 mehr...
Wo finden Geringqualifizierte noch Arbeit (24.01.07)
René Leicht, Silke Fehrenbach, Sabine Dann, Harald Strotmann (2007):
Wo finden Geringqualifizierte noch Arbeit? Potenziale bei der Schaffung von Einfacharbeitsplätzen (am Beispiel der Region Rhein-Neckar).
in: BEST 3S e.V. (Hrsg.): Handbuch für soziale Beschäftigungsunternehmen. Betriebliche Strategien und betriebswirtschaftliche Instrumente für soziale Beschäftigungsunternehmen, S. 12-24, Neu-Ulm mehr...
Entwicklung und Determinanten von Frauen-Selbständigkeit (18.02.05)
René Leicht, Maria Lauxen-Ulbrich (2005):
Entwicklung und Determinanten von Frauen-Selbständigkeit in Deutschland. Zum Einfluss von Beruf und Familie.
Zeitschrift für KMU und Entrepreneurship (ZfKE), Heft 2/2005, S. 133-149. mehr...
Statistiken über Gründerinnen und selbständige Frauen (18.02.05)
René Leicht, Maria Lauxen-Ulbrich (2005):
Statistiken über Gründerinnen und selbständige Frauen
WWoE:Das WWoE-Handbuch für eine effektive Gründungsförderung, CD-ROM
Wie Frauen gründen und was sie unternehmen (10.02.05)
Maria Lauxen-Ulbrich, René Leicht(2005):
Wie Frauen gründen und was sie unternehmen: Nationaler Report Deutschland mehr...
Gründungen von Frauen in Deutschland (18.12.04)
Maria Lauxen-Ulbrich, Silke Fehrenbach (2004):
Gründungen von Frauen in Deutschland
in: Katz, I., Blättel-Mink, B., Müller, C. (Hg.), Tagungsband: Frauen, Gründung, Förderung. Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis, bundesweite gründerinnenagentur 28. / 29. Juni 2004, Hohenheim: 49-78. mehr...
Unternehmerin und daneben auch noch Kinder? (18.11.04)
Maria Lauxen-Ulbrich, René Leicht (2004):
Unternehmerin und daneben auch noch Kinder? Lebensformen und Arbeitsgestaltung selbständiger Frauen in Deutschland. Eine empirische Untersuchung anhand der Mikrozensus-Daten. Veröffentlichungen des ifm (Grüne Reihe) Nr. 51. mehr...
Second Statistical Overview (17.02.04)
Maria Lauxen-Ulbrich, René Leicht (2004):
Second Statistical Overview -- National Report on Women -- Start-up Entrepreneurs and Female Self-employment in Germany. mehr...
Selbständige Frauen in Deutschland. Umfang, Entwicklung und Profil (16.02.04)
René Leicht, Maria Lauxen-Ulbrich, Robert Strohmeyer (2004):
Selbständige Frauen in Deutschland. Umfang, Entwicklung und Profil, in: KfW Banken-Gruppe (Hrsg.), Chefinnensache. Frauen in der unternehmerischen Praxis, Physica Heidelberg, S. 1-45.

Vorträge

ifm Mannheim research fellows receive Best Paper Award from the 2015 Diana International Research Conference in Babson College, USA, June 8-9 (17.07.15)
The study on “Cross-Country Gender Gaps in Perceived Start-up Ease: Second-Order Effects of Labor Market Segregation” authored by Vartuhi Tonoyan, Robert Strohmeyer and Jennifer E. Jennings received the Best Paper Award at the 2015 Diana International Research Conference on “Women’s Entrepreneurship and Ecosystems” in Babson College, Wellesley, USA. Using a large dataset of over 15,000 employees working within 22 European countries, this multi-level study reveals how sex-based segregation in traditional labor markets exerts ‘second-order’ effects upon entrepreneurship mehr...
Einsam in der Männerwelt. Warum gibt es so wenig Unternehmerinnen? (30.06.09)
René Leicht
Gastvortrag in der Ringvorlesung ‚Impulse aus Wissenschaft und unternehmerischer Praxis“, Universität Tübingen, 08.06.2009
Selbständige Frauen im "Kreativsektor" (26.01.07)
René Leicht: Selbständige Frauen im "Kreativsektor": Arbeitsformen, Ressourcen und Entwicklungspotenziale.
Fachtagung "Creative Power - Gründungen von Frauen im Kreativbereich!", bundesweite gründerinnenagentur und BMBF, Berlin
Entrepreneurial Potential Among Female and Male Employees in Europe: A Resource-Based View (09.05.06)
Vartuhi Tonoyan, Robert Strohmeyer & René Leicht (2006) Entrepreneurial Potential Among Female and Male Employees in Europe: A Resource-Based View. Paper presented at the International Conference on Entrepreneurial Diversity The Self-Perception of Female and Male Entrepreneurs, Incubator Center, Gelsenkirchen, Germany, May 19.
Gründungen von Frauen in Deutschland (18.12.04)
Maria Lauxen-Ulbrich, Silke Fehrenbach (2004):
Gründungen von Frauen in Deutschland
in: Katz, I., Blättel-Mink, B., Müller, C. (Hg.), Tagungsband: Frauen, Gründung, Förderung. Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis, bundesweite gründerinnenagentur 28. / 29. Juni 2004, Hohenheim: 49-78. mehr...
Do family responsibilities hinder or encourage self-employment? (18.02.04)
Maria Lauxen-Ulbrich, René Leicht (2004):
Do family responsibilities hinder or encourage self-employment? Household configurations and working schedules of self-employed women in Germany.
13th Nordic Conference on Small Business Research, 10.- 12.06.04, Tromsø (Norwegen). mehr...
 
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