Die Automobilwirtschaft - einschließlich ihrer zumeist mittelständischen Zulieferer - muss sich neu aufstellen. Das Prinzip Hoffnung reicht nicht


Den aktuellen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) zufolge sind im Juni 2020 220.272 Pkw neu zuglassen worden. Im Vergleich zum Vorjahresmonat zeigte sich damit in Zeiten der Corona-Krise ein Rückgang von 32,3 Prozent. Sowohl die gewerblichen (-29,0 %) als auch die privaten Neuzulassungen (-38,2 %) waren rückläufig. Über die ersten sechs Monate gesehen, liegen die Zulassungszahlen in Deutschland ebenfalls bei -30%. Nur die Gruppe der Elektroautos und Neuwagen mit Hybridantrieb waren stark nachgefragt.

Mit 51,5 Prozent waren erneut mehr als die Hälfte aller Neuwagen Benziner (-42,2%), gefolgt von Diesel-Pkw (-34,5%), deren Anteil bei 30,6 Prozent lag. Bei den Neuwagen mit Hybridantrieb gab es einen Anstieg von 60,8 Prozent, so dass sie nun einen Gesamtanteil von 13,7 Prozent ausmachen. 8119 Elektroautos führten in den aktuellen Zulassungszahlen von Juni 2020 zu einem Anstieg um 41 Prozent, sie erreichten damit einen Anteil von 3,7 Prozent.

Diese Zahlen müssen den Automobilherstellern und ihren Zulieferern zu denken geben. Und so wie in Deutschland sieht es in ganz Europa aus. Einziger Lichtblick ist gegenwärtig China. Da ziehen die Verkäufe im Automobilbereich bereits wieder an. Besonders die deutschen Hersteller von Luxusautos, wie Mercedes, BMW und VW profitieren von dieser Erholung des chinesischen Absatzmarktes, Doch reicht dies bei weitem nocht aus, um die Rückgänge der Absätze im Rest der Welt zu kompensieren.

Interessant ist aber auch der Trend zu neuen Antriebstechnologien. Automobilbauer und Zulieferer, die Automobile mit klimaschonenden Antrieben herstellen, sehen sich - zumindest vom Trend her- einer wachsenden Nachfrage gegenüber. Doch ist die deutsche Automobilwirtschaft in dieser Hinsicht nur bedingt gut aufgestellt. Während Tesla, der Weltmarktführer bei Elektroautos, im 2. Quartal 2020 erneut einen Gewinn verbuchte und nun eine Börsenbewertung von mehr als 300 Mrd. $ US aufweist (wertvollstes Automobilunternehmen der Welt), verbuchten die heimischen Hersteller im gleichen Zeitraum Rekordverluste. Der Börsenwert von VW, BMW und Mercedes zusammen liegt aktuell unter demjenigen von Tesla. Aktionäre, Management und Beschäftigte sollten sich fragen, wie es dazu kommen konnte.

Die Führungssparte in der deutschen Autombilindustrie reagiert mit Verzögerung auf diese Entwicklungen und der Erfolg ist ungewiss. So plant der neue Daimler-Vorstandschef Ola Källenius ein umfangreiches Sparprogramm. In der Automobilbranche ist von bis zu 30.000 Arbeitsplätzen die Rede, die wegfallen könnten, darunter viele im Management. Der neue Audichef Martin Duesmann plant dagegen ein ehrgeiziges Digitalisierungsprojekt namens Artemis. Bei der VW-Mutter kam es zu Veränderungen im Top-Management weil man mit den Fortschritten bei der Digitalisierung des Automobils nicht zufrieden war. Auch BMW versucht sich als Tesla-Jäger. Der Konzern will in den kommenden Jahren viele neue Elektromodelle auf den Markt bringen. 2025 soll jedes dritte in Europa verkaufte Auto der Münchener einen Elektro- oder Hybridantrieb haben, 2030 bereits die Hälfte.

Es hört sich so an, als wollten die Automobilhersteller die letzte Gelegenheit ergreifen

 

 

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22.07.20

 

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