Durch Selbständigkeit zur Doppelkarriere? Berufs-, Partnerschafts- und Lebenskonzept erfolgreicher Gründerinnen


Modelle für Doppelkarrieren wurden bisher ausschließlich im Kontext abhängiger Beschäftigung untersucht. Doch ein kaum beachteter Einflussfaktor, der die Chancen von Frauen auf eine eigene Lebenskarriere wesentlich bestimmt, ist die Freiheit in der Arbeitsgestaltung und die berufliche Autonomie.

Hinsichtlich der Arbeitsteilung in Beruf und Familie ist das klassische Muster „Der Mann macht Karriere, die Frau bleibt zu Hause oder verdient hinzu“ nach wie vor verbreitet. Selbst das „Doppelverdiener-Modell“ beruht in der Regel auf Ungleichheiten, denn Frauen leisten in weit höherem Maße unbezahlte (Familien-)Arbeit und partizipieren weniger am Berufsleben, wenn ihr Partner eine höhere Position innehat. Demgegenüber umfasst das Konzept der „Doppelkarriere“ ein Erwerbs- und Lebensmodell, bei dem beide Partner gemeinsam und gleichberechtigt eine berufliche Karriere verfolgen und diese Ambitionen in Einklang mit Lebensqualität, Partnerschaft und gegebenenfalls mit der Familie bringen wollen. Doch Beziehungen, in denen beide Partner eine Karriere verfolgen (können), sind noch immer vergleichsweise selten. 
 
Häufig sind es neben den geschlechtsspezifischen Rollenmustern auch die rigiden und starren arbeitsorganisatorischen Anforderungen, die den Weg zu einer gemeinsamen Karriere versperren. Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Verbundprojekt  „Durch Selbstständigkeit zur Doppelkarriere?“ des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim und des Stiftungslehrstuhls für Entrepreneurship der Universität Hohenheim wurde von der These geleitet, dass berufliche Autonomie und Flexibilität entscheidende Instrumente zur Realisierung von Doppelkarrieren sind. Untersucht wurde daher, inwieweit Paare getrennt oder gemeinsam jeweils eine eigene Karriere realisieren können, wenn sich Frauen oder auch beide Partner selbständig machen und dadurch den Spielraum zur Gestaltung von Arbeit und Leben erhöhen. Neben Daten des Mikrozensus sowie der Zeitbudgeterhebung des Statistischen Bundesamtes bildeten eine quantitative Primärerhebung, für die über 2.300 erwerbstätige Personen telefonisch oder online befragt wurden, sowie Leitfaden-gestützte Interviews mit Doppelkarrierepaaren und Experten-Interviews die Basis der empirischen Untersuchung. Demnach kann die Zahl der Doppelkarrierehaushalte in Deutschland auf ca. 1,2 Millionen geschätzt werden. 
 
Im Kern zeigt die Studie, dass die in einer Beziehung lebenden Partner weit häufiger eine doppelte Karriere realisieren können, wenn beide selbstständig statt abhängig beschäftigt sind oder wenn zumindest einer der Partner einer Selbstständigkeit nachgeht. Die Gründe sind vor allem darin zu sehen, dass eine autonome Arbeit und letztlich eine Unternehmensgründung sowohl in der beruflichen als auch in der privaten Sphäre größere Entscheidungs-, Verhandlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet als eine Arbeitnehmerposition. Zwar setzt sich die Segregation der Geschlechter auch in der beruflichen Selbstständigkeit fort, da hier Frauen trotz aller Zuwächse zahlenmäßig immer noch unterrepräsentiert sind und auch als Unternehmerinnen weniger verdienen als Männer. Allerdings stellen sich selbstständige Frauen im Hinblick auf Einkommen, Selbstbestimmung, und Flexibilität besser als abhängig beschäftigte Frauen. Der Weg in die Selbstständigkeit bietet daher in vielen Fällen eine gute Voraussetzung für eine Doppelkarriere.
 
Projektleitung: Dr. René Leicht
Projektbearbeitung: Stefanie König, Marc Langhauser
Kooperation: Stiftungslehrstuhl für Unternehmensgründung und Unternehmertum, Universität Hohenheim
Auftraggeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Europäischer Sozialfonds (ESF)
Laufzeit: März 2010 bis August 2012
 
Veröffentlichungen
 
König, Stefanie / Cesinger, Beate / Langhauser, Marc / Leicht, René (2012): Erfolg ist, wenn beide Karriere machen, Ergebnisse aus dem Projekt „Durch Selbständigkeit zur Doppelkarriere? Berufs-, Partnerschafts- und Lebenskonzepte erfolgreicher Gründerinnen“, Teil I: Über Karriereerfolg im Partnerschaftskontext 
 
König, Stefanie / Cesinger, Beate / Langhauser, Marc / Leicht, René (2012): Vereinbarkeit bedeutet, seine eigene Karriere mit der Karriere des Partners abzustimmen und noch Zeit für die Familie zu haben, Ergebnisse aus dem Projekt „Durch Selbständigkeit zur Doppelkarriere? Berufs-, Partnerschafts- und Lebenskonzepte erfolgreicher Gründerinnen“, Teil II: Über Vereinbarkeit in Karrierekontext
 
Langhauser, Marc (2011): Durch Selbständigkeit zur Doppelkarriere? Eine Analyse mit dem Mikrozensus, ifm Mannheim, Discussion Paper 03 - 2011
 
Alle Publikationen finden sich zum Download unter: http://www.dcc-selbstaendig.de/publikationen.php

News

Durch Selbständigkeit höheres Einkommen und häufiger Kinder (13.12.11)
"Selbstständige Paare haben ein höheres Einkommen und häufiger Kinder." Dies ist eines der Forschungsergebnisse des ifm Mannheim in einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt. Untersucht wird, unter welchen Bedingungen Paare eine "Doppelkarriere" realisieren und gleichzeitig Familie und Beruf unter einen Hut bringen können. Erste Ergebnisse liegen vor - weitere folgen.

Pressemitteilung der Universität Mannheim am 12.12.2011


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Das Projekt befasst sich mit der Situation und den Perspektiven von Frauen und Doppelkarrierepaaren, in denen mindestens ein Partnerteil selbständig ist. mehr...

Beteiligte Organisationen

BMBF
Europäische Union - Europäischer Sozialfonds
SEH

Teams

Neue Selbständigkeit
 

Personen



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